Nachtrag zu Tipps & Tricks: Betriebswirtschaft ist dein Freund

Täglich bekommen wir Anfragen, wie man mit der Krise umgehen soll. Wir haben dazu schon einiges an Tipps gegeben. Lest Euch am besten zuerst unsere Beiträge “6 Tipps & Tricks in Zeiten der Corona-Krise” und “Geschlossen aber da – 10 Ideen & Tipps für Euer Geschäft in der Coronakrise”. In diesem Beitrag geht es um einen generellen taktischen Fahrplan durch die Krise – als auch über Sinn und Unsinn einiger Maßnahmen.

Generell gilt: Ihr müsst während der Krise drei Ziele haben:

1. Bleibt liquide

Ihr müsst Geld haben, um euren Verbindlichkeiten nachzukommen.

2. Reduziert Euren Ausfall und Eure Kosten durch staatliche Hilfen

Soforthilfen, Kurzarbeitergeld, Stundungen etc.

3. Plant den Wiederanfang

Preise, Lieferanten, Werbung, Kunden, etc. Zu diesem Thema haben wir bereits in unserem letzten Beitrag informiert.

 

Stundungen

Stundung heißt, dass euch jemand „erlaubt“ einen bestimmten Betrag später zu zahlen. Es wird also nichts erlassen, sondern aufgeschoben. Das kann zinslos oder auch zinsgünstig sein. Ist das nun sinnvoll?

Klare Antwort: Ja.

Warum? Weil ihr liquide bleiben müsst!  Ihr braucht das Geld evtl. später noch – je nachdem wie lange die Pandemie / Quarantäne dauert. Außerdem sind 100 €, die ihr heute zahlen müsst, in zwei Jahren nicht mehr 100 € wert, sondern aufgrund von Inflation evtl. nur noch 97 €. D.h. ihr hab sogar eine – wenn man so will – „Rendite“, wenn die Stundung zinslos ist. Es ist also sinnvoll, insofern ihr nicht genügend Reserven habt.

Sollte Euch der Staat also anbieten, dass Ihr Steuerzahlungen stunden könnt, solltet ihr das in den meisten Fällen nutzen. (Der Steuerberater ist da euer Freund). Solltet ihr mit euren Vermietern übereinkommen, dass eure Miete gestundet wird, solltet ihr das auch nutzen – um nur zwei Beispiele zu nennen.

Ihr müsst nur im Hinterkopf behalten, dass ihr das Geld irgendwann zahlen müsst – also muss euer Horizont für die Betrachtung der Krise länger werden – und vor allem nicht nur bis Ende dieses Jahres, sondern vielleicht 2 bis 3 Jahre.

 

Kredite

Keine Angst vor einem Kredit. Die Angebote der Kredite wie z.B. KfW sind meist sehr zinsgünstig – im Normalfall nur zwischen 1,00 bis 1,46 Prozent pro Jahr. Und wieder gilt: Kredite erhalten eure Liquidität! Nichts ist schlimmer, als auf dem trockenen zu sitzen und nicht mehr zu wissen, wie die nächste Rechnung bezahlt werden kann.

Kleines Beispiel: Kredit über 10.000 € mit Zinssatz 1 % und im ersten Jahr tilgungsfrei. Das kostet euch nach drei Jahren ca. 200 € an Zinsen. Ihr könnt das mit dem Tilgungsrechner der KfW einfach selber berechnen. Anders ausgedrückt: Ihr bezahlt also „nur“ 200 € um 3 Jahre lang über einen Betrag von 10.000 € zu verfügen.

Unsere Antwort: Ja!

Wenn ihr das Geld nicht unbedingt braucht – umso besser. Dann habt ihr Euch zumindest für 3 Jahre eine Beruhigungspille in Form von verfügbarem Kapital erkauft und zahlt es dann eben entspannt zurück.

Wenn ihr das Geld benötigt – auch gut. Ihr glaubt ja an euer Geschäft, und dass ihr es auf solide Füße stellen könnt in den nächsten Jahren – richtig?

 

Exkurs Gutscheine

Wir haben Euch bereits vor einigen Wochen Gutscheine empfohlen. Meist funktioniert das, wenn man gleichzeitig den Wert des Gutscheins aufstockt. Beispiel: 100 € Gutschein kaufen, aber einen Wert von 120 € erhalten. Ihr habt also damit einen Rabatt von 16,7 % auf 120 € gegeben (100:120). Vereinfacht ausgedrückt, ist der Gutschein eine Art Kredit von Euren Kunden an euch. Allerdings nicht wie bei einer Bank, wo es keinerlei emotionale Bindung zu euch gibt. Das Gute am Gutschein ist, dass ihr aus Marketing Sicht eine Bindung zu euren Kunden herstellt, was euch nach der Krise helfen kann. Ihr „erkauft“ euch diesen Effekt sozusagen über den Rabatt.

Um möglichst viele Gutscheine verkaufen zu können, ist das Wichtigste nicht nur zu klären, wie man einen Gutschein ausstellt, versendet und verbucht… sondern, warum eure Kunden überhaupt Gutscheine bei euch kaufen sollten.

Dazu ist eure Ansprache das Allerwichtigste: Macht es emotional und bittet um Hilfe und Unterstützung für euer Geschäft, damit auch nach der Krise noch jemand da ist, der eure Kunden glücklich machen kann. Und macht den Prozess so einfach wie möglich – Beispiele von anderen findet ihr auf unserer Facebook Seite.

Unsere Empfehlung: Nutzt Gutschein-Aktionen während der Krise.

Warum? Wir haben bereits von Kunden gehört, die in wenigen Tagen bis zu 100 Gutscheine verkauft haben… Nachgerechnet? 100 x 100 € = 10.000 € – und das durch die Solidarität eurer Kunden mit euch! Also ein riesiges Kompliment. Keine Ämter, keine Bankinstitute notwendig…

Was könnte gegen Gutscheine sprechen? Ihr werdet irgendwann eine Leistung für diese Gutscheine erbringen müssen – richtig. Aber mit euren Kunden, die euch vertrauen und die euch unterstützt haben in dieser schweren Zeit. Manche könnten argumentieren, dass der Umsatz der Gutscheine auf die Soforthilfen angerechnet werden könnte. Fragt dazu euren Steuerberater. Es ist aus unserer Sicht trotzdem besser, aus eigener Kraft durch die Krise zu kommen, als nackig in der Hoffnung auf Staatshilfe dazustehen.

Übrigens: Schön ist, wenn man die Einlösung der Gutscheine in auslastungsfreiere Zeiten legen kann, oder dieser sogar verschenkt wird – vielleicht sogar an einen Neukunden.

 

Preiserhöhung

Viele trauen sich oft nicht, die Preise zu erhöhen. Und wenn sie es tun, dann versuchen sie den Stammkunden die alten Preise weiterhin zu ermöglichen… Die Corona Krise ist ein sehr gutes Argument um eure Preise für alle anzupassen und nahezu jeder eurer Kunden wird es verstehen.

Wichtig ist, dass ihr eine Kalkulation macht, die erst mal ehrlich zu euch selber ist. D.h. wie schlimm ist die Krise wirklich – inkl. aller Hilfsprogramme, etc.? Es hilft euch nicht auf Stammtischparolen oder selbsternannte Preispäpste zu hören. Außerdem muss die Umsatzdelle vielleicht nicht bis Ende diesen Jahres wieder rein gewirtschaftet werden, sondern vielleicht erst auf 2 bis 3 Jahre. Das sollte Eure Basis sein.

Dazu macht ihr eine weitere Kalkulation, welche:

  • die steigenden Kosten über die nächsten Jahre berücksichtigt (Zinsen, steigende Gehälter, etc.)
  • sich noch gut „anfühlt“
  • vertretbar für euch gegenüber euren Kunden ist.

Empfehlen wir Preisanpassungen: In den meisten Fällen ja.

Warum? Ihr habt ein gutes, verständliches Argument. Außerdem ist diese in Verbindung mit der Gutscheinaktion sehr gut, da der von euch gegebene Rabatt etwas zusammenschmilzt. Natürlich müsst ihr das genau bewerten. Denn es hängt von vielen Faktoren ab. Eine gute Kalkulation ist ein guter Start 😉

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